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Ziele
Die Bundesrepublik Deutschland hat sich zu den im Pariser Klimaabkommen festgelegten Zielsetzungen bekannt. Dieses schlägt sich in kommunalen Zielsetzungen zum Klimaschutz nieder. Mit dem Ratsbeschluss vom 17.12.2021 hat sich die Stadt das Ziel gesetzt, bis 2030 die Treibhausgasneutralität zu erreichen.
Pariser Klimaabkommen
Mit der Ratifizierung des Klimaabkommens von Paris hat sich die Bundesrepublik Deutschland völkerrechtlich bindend zu den darin festgelegten Klimazielen bekannt. Demnach soll die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Niveau deutlich unter 2 Grad begrenzt werden. Die Empfehlung lautet, den Anstieg möglichst nicht über 1,5 Grad steigen zu lassen. Auch wenn es für Deutschland und demzufolge für die kommunale Ebene keinen verbindlichen und kompatiblen Transformationspfad gibt, wird deutlich, dass die Anstrengungen auch auf lokaler Ebene in Göttingen deutlich verstärkt werden müssen, um seinen Beitrag zu Erreichung der globalen Klimaziele zu erreichen.
Die Stadt Göttingen hat sich zum Ziel gesetzt, dass heute lebende Menschen ihre Bedürfnisse befriedigen können, ohne dabei zu riskieren, dass künftige Generationen dies nicht mehr tun können. Daher ist die Umsetzung der siebzehn UN-Nachhaltigkeitsziele auf kommunaler Ebene mit dem Erhalt der ökologischen Tragfähigkeit, der sozialen Gerechtigkeit, der gesellschaftlichen Teilhabe sowie der ökonomischen Zukunftsfähigkeit wesentliches Ziel. Als Bekenntnis zur nachhaltigen Entwicklung hat die Stadt 2020 die Resolution „2030 – Agenda für Nachhaltige Entwicklung: Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene gestalten“ unterzeichnet und ergreift somit im Rahmen ihrer Möglichkeiten entsprechende Maßnahmen.
Nachhaltigkeitsziele der UN / Agenda 2030
Im Jahr 2015 hat die Weltgemeinschaft die Agenda 2030 verabschiedet. Die Agenda ist ein Fahrplan für die Zukunft, mit dem die Weltgemeinschaft weltweit ein menschenwürdiges Leben ermöglichen und dabei gleichsam die natürlichen Lebensgrundlagen dauerhaft bewahren möchte. Dies umfasst ökonomische, ökologische und soziale Aspekte. Alle Staaten sind aufgefordert, ihr Tun und Handeln danach auszurichten.
17 globale Ziele einer nachhaltigen Entwicklung
Die 17 Zielen der Agenda 2030 richten sich an alle: Staaten und Kommunen, die Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft sowie jede und jeden Einzelnen. Eine Vielzahl von Themen werden berücksichtigt. Handlungsfelder sind beispielsweise der verstärkte Einsatz für Frieden und Rechtsstaatlichkeit, die Bekämpfung von Korruption, aber auch Bildung für alle oder der Schutz unseres Klimas und unserer Ressourcen. Und kein Mensch soll mehr unter Hunger leiden müssen. Deutschland hat sich bereits früh zu einer ambitionierten Umsetzung bekannt.
Auch die Stadt Göttingen hat sich zur Umsetzung dieser Zielsetzungen bekannt und im Jahr 2020 die Resolution „2030 – Agenda für Nachhaltige Entwicklung: Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene gestalten“ unterzeichnet. Damit zeigt sie, dass die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele im kommunalen Handlungsspielraum eine wesentliche Zielsetzung ist.
Die Stadt Göttingen verfolgt dazu eine nachhaltige Gesamtstrategie. Klimaschutz, zukunftsorientierter und verantwortungsvoller Umgang mit dem Klimawandel sowie die sozialen, wirtschaftlichen und umweltschützenden Anforderungen sollen miteinander in Einklang gebracht werden. Die Stadt Göttingen verpflichtet sich u.a. zum sparsamen und „nachhaltigen“ Umgang mit den Naturgütern. Die Bauleitplanung erfolgt energieeffizient, ressourcenschonend und klimaschützend. Bei der Quartiersentwicklung werden Maßnahmen des Klimaschutzes und der Klimaanpassung integriert. Eine klimaschonende Mobilität in der Stadt wird für alle Bevölkerungsgruppen und Verkehrsarten mit dem Anspruch einer Stärkung des Mobilitätsverhaltens zugunsten des Umweltverbundes gefördert. Durch eine dauerhafte substanzerhaltende Pflege und artenreiche Weiterentwicklung öffentlichen Grüns und des Stadtwaldes und der Gewässer werden die qualitativ hochwertige Naherholungsfunktion sowie der Schutz des Naturhaushaltes im Stadtraum gewährleistet.
Weitere Informationen zu den 17 globale Ziele einer nachhaltigen Entwicklung gibt es hier.
Klimaplan Göttingen 2030
Die Klimakrise ist eine der größten Herausforderungen der Menschheit. Die Folgen des Klimawandels sind zunehmend auch in Göttingen spürbar. Um die Klimaziele zu erreichen, ist zügiges und entschlossenes Handeln erforderlich. Mit dem Klimaplan Göttingen 2030 hat die Stadt einen umfassenden Plan mit konkreten Maßnahmen vorgelegt, um die Potentiale im städtischen Handlungsbereich umfassend und schnell zu heben. Die Stadt Göttingen hat sich im Klimaplan Göttingen 2030 zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2045 treibhausgasneutral zu werden. Laut Ratsbeschluss vom 17.12.2021 wurde die Zielsetzung inzwischen nochmals nachgeschärft und Treibhausgasneutralität wird bereits bis 2030 angestrebt. Für die im Klimaplan Göttingen 2030 festgelegten Projekte und Sektorziele bedeutet dies, dass diese noch schneller umgesetzt und erreicht werden müssen. Die Ziele der sieben Handlungsfelder des Klimaplan Göttingen2030 werden im Folgenden aufgeführt:
Die kommunale und zivilgesellschaftliche Transformation vorantreiben
Dieses Handlungsfeld ist das verbindende Element – es verwebt alle Handlungsfelder miteinander, die Stadtgesellschaft wird auf dem gemeinsamen Weg in die Klimaneutralität gefördert, auf die Aufgabe des Wandels vorbereitet und gestärkt. Dies betrifft die Bürger*innen, Unternehmen und weitere Einrichtungen, wie die Hochschulen.
Eine kommunale Querschnittsaufgabe und ein agiler Prozess
Der Weg zur Treibhausgasneutralität ist herausfordernd und wird nur gelingen, wenn die gesamte Stadtgesellschaft aktiv an den Zielen mitwirkt. Deshalb reicht ein Blick auf einzelne Themengebiete zur Bewältigung der Klimakrise nicht aus. Stattdessen braucht es eine ganzheitliche Perspektive auf den notwendigen gesellschaftlichen Wandel. Klimaschutz erfordert nicht nur technische Lösungen, sondern einen grundlegend anderen Umgang mit Energie und Ressourcen, der eine Vielzahl von Lebens- und Wirtschaftsbereichen betrifft. Es ist das Ziel, die Stadtgesellschaft für den nötigen Wandel zu sensibilisieren, zu motivieren und zu befähigen, um diesen aktiv mitzugestalten. Dazu benötigt es gute Rahmenbedingungen und Angebote für Bürger*innen und Entscheidungsträger*innen. Dabei ist der Weg zur Klimaneutralität kein starrer Pfad. Vielmehr bedarf es flexiblen Handelns, sofern sich die Rahmenbedingungen verändern. Die Transformation der Stadtgesellschaft zur Klimaneutralität ist ein Prozess, der sich stetig entwickelt.
Gute Rahmenbedingungen schaffen
Die Stadt Göttingen gestaltet die Transformation aktiv, indem sie Rahmenbedingungen für Veränderung schafft. Dazu gehört insbesondere die finanzielle Förderung von Investitionen und Innovationen unter sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Kriterien. Die gezielte strategische Entwicklung von Innovationsräumen bildet den Rahmen, um neue Wege der klimaschonenden Transformation zu entwickeln, zu testen und für die breite Anwendung zu optimieren. Neue Wege der Partizipation eröffnen Chancen, um den Schritt aus der Nische zu schaffen und Klimaschutz und Nachhaltigkeit in die breite Anwendung zu bringen. Das jährliche Monitoring und Controlling schafft neben weiteren Instrumenten Transparenz und bietet Ansätze zum Nachsteuern durch Entscheidungsträger*innen und die Stadtgesellschaft.
Kooperation fördern, Klimaschutz und Nachhaltigkeit in die Breite tragen
Der Schritt aus der Nische gelingt, wenn nachhaltige und klimaschonende Verhaltensangebote mehr Menschen, Unternehmen und Organisationen erreichen und routiniert im Alltag angewendet werden. Die Transformationsforschung geht davon aus, dass eine Gesellschaft Werte und Einstellungen verändert, wenn eine kritische Masse von 10 bis 25 Prozent der Bürger*innen diese Werte vertritt. Das Ziel ist es daher, entsprechend viele Göttinger*innen mit geeigneten Angeboten zu aktivieren und zu klimaschonendem und nachhaltigem Handeln zu qualifizieren.
Dazu gehören:
- Informationsangebote und aktivierende Maßnahmen des „Mitmachens und Ausprobierens“
- Die Weiterentwicklung und Stärkung von Partnerschaften und Initiativen
- Passende Bildungsangebote
- Das Zusammendenken von Klimaschutz und sozialer Gerechtigkeit
Bauen und Sanieren
Der umfangreiche Gebäudebestand bietet in Göttingen das größte Einsparpotential. Das Handlungsfeld „Bauen und Sanieren“ fasst hierzu alle Maßnahmen und Projekte zusammen, die sich mit der Siedlungs- und Gewerbeflächenentwicklung, dem Neubau oder der Sanierung von Gebäuden und Quartieren befassen.
Bestandssanierung Wohnen
Die Sanierungsquote im Bestand (Wohnen und Gewerbe) muss bis 2030 auf jährlich 4 % mit einer mittleren Wärmeeinsparung von 80 % gesteigert werden. Um die Potenziale im Gebäudebestand optimal heben zu können, sollen die Göttinger Quartiere als zukunftsfähige und lebenswerte Wohnräume weiterentwickelt werden. Wohnungsunternehmen müssen aktiviert und als Partner der energetischen Stadtentwicklung einbezogen werden. Selbstnutzende Eigentümer*innen und Laienvermieter*innen sollen durch Qualifizierung und Förderung gestärkt und damit die Sanierungsquote auch auf Objektebene gesteigert werden.
Neubauentwicklung Wohnen
Strategisches Ziel ist, dass der Neubau in Göttingen das energetische CO2-Budget der Stadt Göttingen nicht zusätzlich belastet. Neubau muss demnach in Zukunft verbindlich energetisch treibhausgasneutral durch konsequent hohe Energiestandards erfolgen. Dies muss sowohl auf Quartiersebene mit Mitteln der nachhaltigen Steuerung der Siedlungsentwicklung sowie auf Objektebene durch individuelle Förderung und Beratung gelingen.
Gute Rahmenbedingungen für nachhaltige integrierte Quartiersentwicklung
Integrierte Lösungen der nachhaltigen Quartiersentwicklung werden aktiv vorangetrieben und gefördert. Hierzu werden gezielt gute Rahmenbedingungen für neue innovative Ansätze und die Akteur*innen geschaffen, die bereit sind diese umzusetzen. Hierzu bedarf es einer interdisziplinären Planungskultur, Raum für Innovationen und Lösungen mit Strahlkraft.
Planerische Ziele sind:
- Doppelte bzw. dreifache Innenentwicklung
- Nutzungsmischung im Quartier und soziale Durchmischung
- die Förderung gemeinschaftlicher Wohn- und Lebensformen
- die Reduktion des Flächenverbrauchs
- keine weitere Steigerung der mittleren Pro- Kopf-Wohnfläche von 36 m² pro Person bei gleichzeitig sozial gerechter Verteilung des Wohnraums.
Ressourcen- und klimaschonende Gewerbeflächen- und Immobilienentwicklung
Klimaschonendes Wirtschaften soll einen hohen Stellenwert in der Göttinger Wirtschaftsentwicklung erhalten. Ziel ist die Ausstattung des gebauten gewerblich genutzten Raums mit hohen energetischen Standards und zukunftsfähiger Energie, Mobilitäts- und Digitalinfrastruktur. Die Ansiedlung klimaschonender Unternehmen wird gefördert und nachhaltige Wirtschaftskreisläufe in den Gewerbegebieten unterstützt. Hierzu finden sich weitere Ansatzpunkte im Handlungsfeld „Arbeiten und Wirtschaften“.
Arbeiten und Wirtschaften
Als eine der größten Arbeitgeber*innen hat die Stadt Göttingen eine besondere Vorbildrolle, wenn es um klimaschonendes Handeln im Bereich “Arbeiten und Wirtschaften” geht. In Bezug auf die Unternehmen kann die Einflussnahme der Stadt Göttingen nur indirekt ablaufen. Neben ihrer Vorbildfunktion schafft sie ein Umfeld, in dem sich Arbeiten und Wirtschaften klimafreundlich entwickeln kann.
Die Stadt als Konzern – die Stadt als Vorbild.
Zwar machen die direkten Emissionen der Stadt nur einen Anteil von etwa 2 % an der städtischen CO2-Bilanz aus, dennoch nimmt die Stadt Göttingen auch für den eigenen Betrieb eine wichtige Rolle als große Arbeitgeberin und Vorbild beim Klimaschutz ein. In eigenem Wirkkreis können Maßnahmen unmittelbar umgesetzt werden. Mit der Einbindung der städtischen Gesellschaften und Töchter, wie der Stadtwerke Göttingen AG oder der Städtischen Wohnungsbau Göttingen GmbH, können weitere Potenziale gehoben werden.
Die Schwerpunkte der Stadt Göttingen
Städtische Gebäude und Anlagen sanieren:
Energieeffizientes und nachhaltiges Bauen und Sanieren für eigene kommunale Liegenschaften in Verbindung mit einem kontinuierlichen städtischen Energiemanagement.
Nachhaltige städtische Unternehmenskultur umfasst mehr als das Einsparen von Energie:
- Beschaffung (Büro, Geräte, Strom, Baumaterialien, Lebensmittel etc.)
- ökonomisches Handeln (Divestment, Gemeinwohlökonomie)
- Integration von Nachhaltigkeit in Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter*innen
Mobilität klimaschonend organisieren und sicherstellen:
Neben den organisatorischen Aspekten z.B. mit dem Ausbau des betrieblichen (und schulischen) Mobilitätsmanagements umfasst dies auch die Umstellung auf umweltfreundliche Antriebe im städtischen Fuhrpark wie auch im Fuhrpark der Töchter.
Profilierung als Wirtschaftsstandort
Der Wandel zu einem klimaneutralen Göttingen bedeutet auch eine Transformation in der Struktur der lokalen Wirtschaft hin zu Unternehmen, die selbst auf dem Weg zur Klimaneutralität sind und entsprechend ihre Produkte und Dienstleistungen ausrichten. Die Ansiedlung klimaschonender Unternehmen wird deshalb gefördert und nachhaltige Wirtschaftskreisläufe in den Gewerbegebieten werden unterstützt.
Innovation in Unternehmensnetzwerken und Kommunikation
Die Innovationskraft Göttinger Unternehmen im Klimaschutz wird gestärkt und damit bleibe Arbeitsplätze und Wertschöpfung in der Region erhalten.
Handlungsschwerpunkte:
- Plattformen und Netzwerke für den Erfahrungsaustausch und die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen zu Klimaschutzthemen aufbauen und unterstützen
- Öffentliche Wahrnehmung für unternehmerisches Engagement im Klimaschutz herstellen
- Unternehmen bei Klimaschutzmaßnahmen beraten, begleiten und unterstützen
Potenzial von Hochschulen und Wissenschaft
Die wissenschaftlichen Einrichtungen Göttingens besitzen nicht nur als wichtige Partner*innen bei der Bildung und Forschung einen besonderen Stellenwert, sondern tragen auch mit einem Anteil von mehr als 10 % zur kommunalen CO2- Bilanz bei. Als jeweils größte Einrichtungen der Region haben sich die Georg-August-Universität und die Universitätsmedizin Göttingen deshalb die Klimaneutralität bis zum Jahr 2030 als Ziel gesetzt und eigene Projekt in den Klimaplan Göttingen 2030 eingebracht. Die Strategie umfasst neben dem Arbeiten, den Gebäuden und Anlagen oder der Beschaffung auch ihre Rolle als Bildungs- und Forschungseinrichtungen.
Energie erzeugen und bereitstellen
Die Stromversorgung und die Wärmeversorgung in Göttingen werden schrittweise auf erneuerbare Energien umgestellt. Um die erforderlichen Bedarfe im Stadtgebiet zu erzeugen, muss das Ausbautempo deutlich beschleunigt werden und die nötigen Infrastrukturen entwickelt und aufgebaut werden.
Strom aus erneuerbaren Energien
Ziel ist es, den Anteil lokal erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energien am Gesamtstromverbrauch bis 2030 von rund 7 % auf circa 45 % zu steigern. Der darüber hinausgehende Strombedarf muss ebenfalls zu 100 % aus erneuerbaren Energien stammen. Hierzu werden folgende Schwerpunkte gesetzt:
- Die Potentiale von Solarstrom auf Göttinger Dächern und Fassaden müssen konsequent praktisch vollständig ausgeschöpft und um Freiflächen weiter ergänzt werden. Regionale Angebote und Betreibermodelle sollen die Erzeugung auf mehrere Schultern verteilen.
- Trotz begrenzter Flächenpotentiale ist der Ausbau von Windenergie zur Zielerreichung unerlässlich. Hierzu sollen die Akzeptanz gesteigert und die nötigen Rahmenbedingungen geschaffen werden.
- Ziel ist außerdem die Steigerung des Ökostrombezugs durch das Gewerbe und private Nutzer*innen im Stadtgebiet.
Erneuerbare Wärme und leitungsgebundene Wärmeversorgung
- Der Wärmeverbrauch übersteigt den Stromverbrauch in Göttingen um mehr als das Doppelte. Die Wärmewende stellt demnach eine besondere Herausforderung dar. Der Klimaplan Göttingen 2030 benennt folgende Schwerpunkte und Ziele:
- Weiterentwicklung der kommunalen Wärmeplanung als gesamtstädtische Aufgabe: Ein besonderer Fokus liegt auf innovativer Quartiersversorgung für neue Stadtteile und Quartiere mit hohem baukulturell schützenwertem Gebäudebestand (z.B. in der Innenstadt).
- Förderung der Wärme aus erneuerbaren Energien, insbesondere der Solarthermie auf Göttinger Gebäuden und Freiflächen.
- Die Optimierung, Nachverdichtung und Ausbau der Fernwärmeinfrastruktur als zentralem Baustein der Göttinger Wärmeversorgung: Der Anteil der Fernwärme soll bis 2030 auf 30 % und bis 2045 auf 45 % des Gesamtwärmebedarfs gesteigert werden.
- Die Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien an der Fernwärme auf 50 % bis 2030. Die Stadtwerke Göttingen AG streben für ihr Netz sogar einen Anteil von über 90 % an.
Sektorenkopplung
In Göttingen wird eine Strategie für die Sektorenkopplung entwickelt und diese mit Modellprojekten in die Umsetzung gebracht. Die Sektorenkopplung bezeichnet die umfassende Vernetzung aller Sektoren der Energiewirtschaft, der Industrie und der Mobilität zur effizienten Nutzung und dem Austausch von Energie (Strom, Wärme, Gas). Bereits jetzt werden Strukturen angelegt, die Praxiserfahrungen aus anderen Regionen auf Göttingen übertragbar machen.
Beratung, Kampagnen und Netzwerke
Die klimaschonende Energieerzeugung in Göttingen ist ein gesamtstädtisches Thema, das verschiedene Akteur*innengruppen betrifft: Von der Energiewirtschaft, dem Handwerk, der Wohnungswirtschaft, Energiegemeinschaften, der Forschung bis hin zu den Bürger*innen als Konsument*innen und Erzeuger*innen. Die Aktivierung und Qualifizierung aller Beteiligten muss daher durch transparente Informationen, Kampagnen und Vernetzung gefördert werden.
Mobil sein und transportieren
Das Ziel ist es, den Umweltverbund zu stärken, also den Anteil emissionsarmer Verkehrsarten zu erhöhen und den Anteil des emissionsintensiven, motorisierten Verkehrs zu reduzieren. Mit dem Klimaplan Verkehrsentwicklung existiert bereits ein strategisches Konzept zur Förderung des Klimaschutzes im Verkehrssektor. Deshalb werden im Klimaplan Göttingen 2030 lediglich ergänzende Projekte aufgegriffen.
Zu Fuß > Nahmobilitätskonzept
Handlungsschwerpunkte:
- Barrierefreiheit im Fußverkehr,
- Steigerung der Aufenthaltsqualität,
- Fußgängerfreundliche Gestaltung der Straßenräume,
- Definition und Verbesserung der Fußverkehrsachsen in der Stadt,
- Verbesserung von Querungen (Verkehrssicherheit und Barrierefreiheit)
Auf dem Rad > Radverkehrsentwicklungsplan
Handlungsschwerpunkte:
- Weiterführung des ersten innerstädtischen Radschnellweges in Richtung der Umlandgemeinden Rosdorf und Bovenden
- Ausweisung neuer und Optimierung bestehender Fahrradstraßen
- Umbau von Knotenpunkten mit dem Ziel der Verbesserung der Verkehrssituation für den Radverkehr (Erhöhung der Verkehrssicherheit)
- Errichtung von Fahrradabstellanlagen in der Innenstadt und an Freizeitzielen (inklusive Abstellanlagen für E-Bikes)
- Erhöhung des Fahrkomforts und der Verkehrssicherheit u.a. durch Belagsverbesserungen (Asphaltierung von Fahrradrouten)
Öffentlicher Verkehr > Nahverkehrsplan
Handlungsschwerpunkte:
- Ticketing & Tarife: Der Schwerpunkt bündelt Maßnahmen zur Tarifgestaltung und zum Ausbau von digitalen Buchungsmöglichkeiten, wie dem Luftlinientarif.
- Fortführung des barrierefreien Umbaus von Haltestellen
- Optimierung und Verbesserung im Liniennetz: Steigerung des ÖPNV-Anteils am Modal-Split und des ÖPNV-Pendler*innenanteils
- Taktverdichtung
- Prüfung von alternativen Bedienungsformen (OnDemand Verkehre)
- Ausweitung der Elektromobilität bei den Göttinger Verkehrsbetrieben
Kfz-Verkehr
Handlungsschwerpunkte:
- Teilnahme an Modell- bzw. Forschungsprojekten zum Thema „Tempo 30“ als Regelgeschwindigkeit
- Umbau sanierungsbedürftiger Straßen im Stadtgebiet
- Förderung und Ausbau des Carsharings
- Gesamtstädtisches Konzept zum Parkraummanagement
- Förderung der Elektromobilität: kontinuierlicher Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur sowie gezielte Förderung (z.B. befristete Befreiung von Parkgebühren)
Wirtschafts- und Güterverkehr
Handlungsschwerpunkte:
- CityLogistik: Zielsetzung eines langfristig angelegten Prozesses ist eine umweltschonendere Zustellung im Stadtgebiet und Entlastung der städtischen Infrastruktur mit Fokus auf der Innenstadtbelieferung
- Weitere Stärkung des Warentransports mittels Lastenfahrrädern.
Übergeordnete Planungsaufgaben
Handlungsschwerpunkte:
- Klimagerechte Umgestaltung einer Hauptverkehrsstraße: Durch eine Neuordnung des Verkehrsraums, der den Fokus auf die Verkehrsmittel des Umweltverbundes anstelle des PKWs legt, soll eine Abkehr vom Leitbild einer autogerechten Straßeninfrastruktur erreicht werden.
- Fortführung und Ausbau von zielgruppenspezifischen Maßnahmen des städtischen Mobilitätsmanagements: Der Schwerpunkt bündelt ergänzende Maßnahmen, die sowohl auf ein verändertes Nutzer*innenverhalten zugunsten des Umweltverbundes abzielen, als auch die dafür notwendigen Infrastrukturen schaffen
Nachhaltig leben
Dieses Handlungsfeld stellt das nachhaltige Handeln im Alltag in den Mittelpunkt. Persönliches Verhalten und individuelle Entscheidungsroutinen prägen den ökologischen Fußabdruck aller Bürger*innen. Um die verhaltensbezogenen Minderungspotenziale zu heben, sind neben guten Informationen vor allem geeignete Angebote und günstige Rahmenbedingungen vonnöten. Zwar werden Emissionen durch Konsum, Ernährung oder Reisen der kommunalen Treibhausgasbilanz nicht zugerechnet, sie sind aber für den globalen Klimaschutz dennoch von großer Bedeutung und daher wichtiger Bestandteil des Klimaplans.
Nachhaltiger Konsum und Ernährung
Nachhaltiger Konsum und Ernährung sind durch eine Vielzahl kleiner, alltäglicher Handlungen und Konsumentscheidungen geprägt. Klimaschonende Verhaltensweisen und Routinenkönnen in der Summe bei einer umfassenden gesellschaftlichen Anwendung große Effekte erzielen. Bisher schöpfen die meisten Konsument*innen die Handlungsspielräume nicht umfassend aus, da dies im Alltag häufig erschwert wird. Oft fehlt es an Angeboten, Wissen, Handlungsanreizen oder wirtschaftlichen Handlungsspielräumen. Erforderlich ist daher eine Strategie, um ein gesellschaftliches Übereinkommen für nachhaltiges und klimaschonendes Handeln herzustellen und günstige Rahmenbedingungen zu schaffen. Hierzu zählt, für den Ressourcenverbrauch zu sensibilisieren, zum bewussten Konsumieren und Ernähren zu aktivieren und Erfahrungsräume und alternative Angebote zu fördern. Bis 2030 sollen circa 13.000 Bürger*innen (10 % der Bürgerschaft) für nachhaltiges und klimaschonendes Verhalten sensibilisiert und qualifiziert werden.
Nachhaltiges und energiesparendes Wohnen
Bis 2045 müssen die mittleren CO2-Emissionen pro Person im Bereich Wohnen und Energie durch klimaschonendes Verhalten und Entscheidungen im Alltag um 350 kg pro Person im Vergleich zu 2018 sinken. Wichtige Stellschrauben sind
- der energiesparende Umgang mit Strom und Wärme im privaten Haushalt
- die Unterstützung und Förderung flächensparender Wohnformen
Während Haushalte zum Beispiel durch richtiges Lüften und Heizen, Trocknen oder das Waschen unmittelbar Energie und damit Kosten einsparen können, wirkt sich die Wohnform indirekt auf die Emissionen auf. Aufgrund der im Mittel gestiegenen Wohnflächen pro Person in den vergangenen Jahrzehnten wurde ein großer Teil der Einsparungen aus energetischer Sanierung oder energiesparendem Verhalten wieder aufgezehrt.
Ziel ist es deshalb, den mittleren Wohnflächenbedarf pro Einwohner*in ohne Einbuße in der Wohnqualität auf dem aktuellen Wert von 36 m²/Person zu halten und gleichzeitig die gerechte Verteilung des Wohnraums zu fördern.
Klimaschonendes Mobilitätsverhalten
Durch die individuelle Verkehrsmittelwahl kann jede*r Göttinger*in einen Beitrag zur Treibhausgasreduktion im Mobilitätsbereich leisten. Ziel ist es, dass sich der Modal Split bis 2030 zugunsten klimaschonender Verkehrsmittel verschiebt. Hierzu sind deutlich verbesserte Angebote, Erfahrungsräume und Anreize für die klimafreundliche Verkehrsmittelwahl im Göttinger Stadtgebiet zu entwickeln und Bürger*innen für klimaschonende Mobilität (auch auf Reisen) zu sensibilisieren. Flugreisen (insbesondere Kurzstrecken) sollen reduziert sowie Angebote für attraktive klimaschonende Freizeitaktivitäten geschaffen werden.
An den Klimawandel anpassen
Das Handlungsfeld „An den Klimawandel anpassen“ umfasst erste Maßnahmen, die die Widerstandsfähigkeit der Stadt Göttingen gegenüber den Folgen des Klimawandels wie zunehmende Extremwetterereignisse fördern. Anders als beim Klimaschutz geht es hierbei also nicht um die Vermeidung von Emissionen, sondern darum, die bereits unvermeidlichen Auswirkungen der Klimakrise im Sinne eines Vorsorge- und Risikomanagements abzufedern.
Übergreifende Strategien und Konzepte
Mit der Analyse von möglichen Gefährdungen und der Entwicklung strategischer Handlungskonzepte werden die nötigen Grundlagen für die Klimawandelanpassung in Göttingen geschaffen. Weiterer Handlungsschwerpunkt sind geeignete Warn- und Informationssysteme, um Bürger*innen frühzeitig auf mögliche Gefahren vorzubereiten und bei akuten Gefährdungslagen vor unmittelbaren Schäden zu bewahren.
Mit Trockenheit umgehen
Da häufigere und längere Trockenperioden prognostiziert werden, stellt beispielsweise die Versorgung grüner Infrastruktur eine große Herausforderung dar. Geringe Verdunstung trägt zudem zur weiteren Überhitzung des städtischen Raumes in heißen Monaten bei. Strategisches Ziel ist, die Stadtentwicklung konsequent wassersensibel zu gestalten und dadurch eine Annäherung an eine natürliche Wasserbilanz zu erreichen. Hierzu gehört die dezentrale Sammlung und Nutzung von Regenwasser sowie die Vermeidung von Versiegelung bzw. Entsiegelung, um den Oberflächenabfluss zu reduzieren. Die Landbewirtschaftung, sowohl im Bereich der Land- als auch Forstwirtschaft, ist in besonderem Maße durch längere Trockenperioden gefährdet und soll klimasmart gestaltet werden.
Die Überhitzung mildern
Zur Reduzierung der Überhitzung, vor allem in dicht besiedelten Stadtteilen, soll die grüne und blaue Infrastruktur sowie deren Vernetzung im Göttinger Stadtgebiet gefördert werden. Hierzu zählen die Anpassung der Bebauung, der Stadtstruktur sowie des öffentlichen Raumes im Hinblick auf die Minderung der Überhitzung. Handlungsschwerpunkte sind Maßnahmen zur Verschattung, Begrünung, Verdunstung und der Erhalt sowie die Schaffung von Kaltluftströmen. In diesem Zusammenhang spielt die naturnahe Nutzung des Göttinger Stadtwalds als Kaltluftentstehungsgebiet eine besondere Rolle für das Mikroklima in zentrumsnahen Stadtteilen. Schutzmaßnahmen für empfindliche Bevölkerungsgruppen sollen ebenfalls entwickelt werden.
Sturmschäden vermeiden
Durch den Klimawandel kann es häufiger zu Stürmen oder Orkanen kommen, welche Schäden an Gebäuden und in Wäldern verursachen können. Derzeit ist die Stadt Göttingen nur selten und eingeschränkt von klimawandelbedingten Sturmschäden betroffen, weshalb dieses Handlungsfeld zunächst keinen strategischen Schwerpunkt bildet.
Überflutung vermeiden
Es wird erwartet, dass sich die Niederschlagsintensität innerhalb der Jahreszeiten verschiebt und sich gleichzeitig Extremwetterereignisse wie Starkregen intensivieren und häufiger auftreten. Deshalb wird der Ausbau der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung im Göttinger Stadtgebiet angestrebt, um die Folgen abzuschwächen. Handlungsschwerpunkte sind
- Niederschlagsrückhaltung im öffentlichen Raum ausbauen und im privaten Bereich durch Information, Beratung und Anreize fördern, um die Kanalisation im Falle von Starkregenereignissen zu entlasten und den Abfluss zu verzögern.
- Ausbau des technischen Hochwasserschutzes
- Überflutungsmanagement im Rahmen von Planungsprozessen
Der Weg zur Klimaneutralität für Göttingen ist ambitioniert, besteht aus vielteiligen Herausforderungen und wird immer wieder angepasst oder sogar neu gedacht werden müssen. Das Ziel der Klimaneutralität für Göttingen ist aber grundsätzlich erreichbar – jedoch nur, wenn die Stadt Göttingen, die gesamte Stadtgesellschaft, Entscheidungsträger*innen aus Bund und Land und weitere Marktakteur*innen umgehend an einem Strang ziehen und die Herausforderungen gemeinsam anpacken. Denn das Erreichen der Treibhausgasneutralität liegt nur in wenigen Bereichen im unmittelbaren Einflussbereich der Stadt Göttingen.

