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Nachhaltiges Modellquartier Lange Rekesweg
Um dem wachsenden Wohnraumbedarf in Göttingen zu decken, plant die Stadt die Entwicklung eines neuen Quartiers im Ortsteil Grone. Das Gebiet am Lange Rekesweg soll als nachhaltiges Modellquartier mit neuen Wohnformen entwickelt werden.
© Stadt GöttingenDie 7,5 Hektar große Fläche am Lange Rekesweg wurde 2017 als Wohnbaufläche mit anteiliger Grünfläche in den Flächennutzungsplan der Stadt Göttingen aufgenommen. Sie bildet einen wichtigen Baustein zur Deckung des Wohnbauflächenbedarfs und der Wohnungsnachfrage in Göttingen. Das Gebiet soll im Sinne des aktuellen Klimaplans Göttingen 2030 ein klimaschonendes und nachhaltiges Quartier mit bis zu 300 Wohneinheiten werden. Große Bedeutung für das Stadtklima einerseits und für die Identität und Gestaltung des neuen Baugebietes andererseits kommt dabei der von Bebauung freizuhaltenden Kaltluftschneise im Plangebiet zu.
Vielfältiges neues Quartier
Für die Entwicklung des Quartiers läuft seit Oktober 2022 ein städtebaulich-landschaftsplanerischer Wettbewerb mit neun konkurrierenden Planungsbüros und Bürogemeinschaften. Ziel des Verfahrens ist es, einen geeigneten städtebaulichen Entwurf zu finden, der die Basis für die Ausarbeitung des Bebauungsplans Grone Nr. 42 „Lange Rekesweg“ bildet. Langfristig sollen die im Entwicklungsgebiet Lange Rekesweg entstehenden Baugrundstücke dem Prinzip der Konzeptvergabe folgen. Das bedeutet, Grundstücke nicht ausschließlich zum Höchstpreis, sondern anhand der Qualität des eingereichten Bebauungs- und Nutzungskonzeptes zu beurteilen und vergeben. Ziel ist, ein kleinteiliges, vielfältiges, lebendiges Stück Stadt wachsen zu lassen.
Wettbewerb zur Gestaltung: Preisträger stehen fest
Neun Teams aus den Bereichen Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung hatten ihre Pläne und Modelle in dem nichtoffenen Wettbewerb anonym eingereicht. Das Preisgericht aus 15 stimmberechtigten Mitgliedern hat jetzt die ersten drei Plätze vergeben.
Das einstimmige Votum der Jury für den 1. Preis erhielt das Konzept von Querfeldeins. Den 2. Platz belegt die gemeinsame Einsendung von pape+pape architekten aus Kassel, Thomas Schüler, Architekten Stadtplaner aus Düsseldorf und plandrei Landschaftsarchitektur aus Erfurt. Platz 3 belegt der Wettbewerbsbeitrag von studiopenta Fuhrich Knüppe Architekten Part GmbB, fehlig moshfeghi architekten BDA und Gartenlabor Landschaftsarchitektur Bruns, alle aus Hamburg.
© Büro Querfeldeins Landschaft Städtebau Architektur, DresdenPlatz 1- Büro Querfeldeins aus Dresden
Sechs Wohnhöfe sowie ein Mobilityhub und der Bestandsreiterhof ordnen sich um die Quartiersmitte an. Die gewählte Größe und Anordnung der Baukörper wurde von der Jury in ihrer Maßstäblichkeit positiv aufgenommen. Besonderes Lob erhielten „die kleineren multifunktionalen Retentionsflächen in den Wohnhöfen“ als „Element der wassersensiblen sowie identitätsstiftenden Quartiersplanung“.
© pape+pape architekten, Kassel; Thomas Schüler, Architekten Stadtplaner, Düsseldorf; plandrei Landschaftsarchitektur, ErfurtPlatz 2 - pape+pape architekten aus Kassel, Thomas Schüler, Architekten Stadtplaner aus Düsseldorf und plandrei Landschaftsarchitektur aus Erfurt
Die Jury überzeugten unter anderem die „städtebaulichen Setzungen, die Großzügigkeit der Freiflächen und die Angemessenheit der vorgeschlagenen Flächenfunktionen. Es entstünden drei Flächen unterschiedlicher Größe für eine neue Bebauung. Kritisch gesehen wird dagegen der südöstliche Bereich im Übergang zum Reiterhof.
© studiopenta Fuhrich Knüppe Architekten Part GmbB; fehlig moshfeghi architekten BDA; Gartenlabor Landschaftsarchitektur Bruns, HamburgPlatz 3 - studiopenta Fuhrich Knüppe Architekten Part GmbB, fehlig moshfeghi architekten BDA und Gartenlabor Landschaftsarchitektur Bruns aus Hamburg
Die Jury würdigte „den Ansatz der Ortserweiterung mittels dorftypischer Wohninseln und offener Freiraumgestaltung bei überdurchschnittlich hoher Gesamtwohnfläche“. Der Entwurf sieht ein Konzept von sechs als „Warften“ bezeichneten Wohnhöfen mit gemischten Wohnungstypen vor, die zwar „ein großes Potential an Identifikationskraft“ ermöglichten, jedoch die Verbindung zum Ortskern vermissen ließen, so die Jury.
Öffentliche Ausstellung der Wettbewerbsbeiträge
Alle eingereichten Arbeiten wurden vom 13. bis 18. März 2023 in der Verwaltungsstelle Grone noch einmal öffentlich ausgestellt. Am 15. März 2023 fand in der Verwaltungsstelle zudem eine Ausstellungsbegehung mit Göttingens Stadtbaurat Frithjof Look und Ortsbürgermeisterin Birgit Sterr statt, bei der interessierte Bürger*innen die Möglichkeit hatten, Fragen zum Wettbewerb und zu den präsentierten Arbeiten zu stellen.
Bisherige Beteiligung der Öffentlichkeit
Im Rahmen des Wettbewerbs wurden die eingegangenen Beiträge am 20. Februar 2023 öffentlich in der Mehrzweckhalle in Grone präsentiert. Im Anschluss wählte die fünfzehnköpfige Jury die Wettbewerbssieger aus. Hinweise und Kommentare zu den Entwürfen konnten die Bürger*innen der Jury schriftlich hinterlassen.
Das Wettbewerbsergebnis ist den Mitgliedern des Bauausschusses in der Sitzung vom 23. Februar 2023 vorgestellt worden.
Um Bürger*innen von Anbeginn in die Planung des neuen Quartiers einzubeziehen, fand bereits am 23. April 2022 eine erste Informations- und Beteiligungsveranstaltung statt. Im Rahmen der Planungswerkstatt konnten sich Anwohner*innen und zukünftige Bewohner*innen aus ganz Göttingen über die Planung informieren und ihre Ideen für das neue Quartier einbringen. Zahlreiche Anregungen und Hinweise, unter anderem zu neuen Formen des Zusammenlebens oder mehrfachnutzbaren Freiräumen im Quartier, wurden eingebracht und diskutiert.
Die Ergebnisse der Planungswerkstatt wurden in einer Dokumentation zusammengefasst und sind hier einsehbar.
Die Dokumentation der Planungswerkstatt war Bestandteil der Auslobungsunterlagen des städtebaulich-landschaftsplanerischen Wettbewerbs. Einzelne Themen hieraus wurden direkt in die Auslobung übernommen. Andere werden in kommenden Verfahrensschritten, wie der Konzeptvergabe, Berücksichtigung finden.
Darüber hinaus wurden aus den teilnehmenden Personen der Planungswerkstatt vier Wettbewerbsbegleiter*innen ausgelost. Sie werden als Gäste an der abschließenden Jurysitzung des Wettbewerbs teilnehmen und haben somit die Möglichkeit, sich direkt in die Diskussion und Entscheidungsfindung einzubringen. Schon während des Rückfragenkolloquiums mit den teilnehmenden Planer*innen und der Jury im November 2022 hatten die Bürgervertreter*innen davon Gebrauch gemacht.
E-Mail-Kontakt für Bürger*innenanfragen: lange-rekesweg@goettingen.de
