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Historische Friedhöfe als steinernes Archiv erhalten
Zu den versteckten historischen Schmuckstücken der Stadt zählen der Albani-Friedhof, der südöstlich an den Cheltenhampark angrenzt sowie der Bartholomäus-Friedhof, der zwischen Weender Landstraße und Maschmühlenweg liegt. Beide Friedhöfe werden als Parkanlage von der Stadt Göttingen unterhalten und von zahlreichen Menschen besucht, zur Erholung genutzt und von Jung und Alt gleichermaßen geschätzt.
Die Friedhöfe sind einzigartige kulturhistorische Denkmäler, steinerne Archive. Die Grabsteine sind stumme Zeugen der wechselvollen Vergangenheit. Grabdenkmäler erzählen Geschichte, sie stehen – oftmals kunstvoll gestaltet – für die Geschichte von Menschen. Sie stehen für Ereignisse, die die Menschen bewegt und Gesellschaften geprägt und verändert haben. Sie lassen uns eintauchen in eine Vergangenheit, die das Heute zu erklären hilft.
Bartholomäus-Friedhof – einzigartiges kulturhistorisches Denkmal
Der älteste der historischen Friedhöfe Göttingens ist der Bartholomäus-Friedhof an der Westseite der Weender Landstraße. Gegründet wurde er 1737 und alsbald von vielen namhaften Professoren der Universität als Friedhof bevorzugt, da das Platzangebot auch aufwändige Gruftbauten zuließ. Hierdurch entstanden interessante Mausoleen und Grabmäler aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Ruhestätten bedeutender Wissenschaftler, wie Physiker und Schriftsteller Georg Christoph Lichtenberg, Dichter Gottfried August Bürger, Mathematiker und Philosoph Abraham Gotthelf Kaestner und Kirchenhistoriker Gottlieb Plank sind hier zu finden.
Albani-Friedhof – auch ein Zeugnis der Emanzipation der Frauen
Viele Denkmale auf dem Albani-Friedhof sind in den bewegten Zeiten des 18. und 19. Jahrhunderts entstanden, also in der Zeit der Empfindsamkeit, in der Epoche des Sturm und Drang und der gescheiterten Revolution von 1848. Als steinerne Zeugnisse markieren sie das Erstarken des Bürgertums und damit auch der zunehmenden Emanzipation der Frauen. Denn insbesondere auf dem Albani-Friedhof haben sich einige aufwendig gestaltete Grabdenkmäler für Frauen erhalten.
Diese Phase der Geschichte markiert eine nach wie vor identitätsstiftende Epoche unserer Gesellschaft. Sie begründet das Selbstverständnis als Land der „Dichter und Denker“, das Ideal von Bildung, Aufklärung und Humanismus. Hiervon zeugt auch die Ruhestätte des Mathematikers und Ausnahme-Wissenschaftlers Carl Friedrich Gauss (1777-1855).
Erhaltungskonzept
Der Fachdienst Grünflächen der Stadt Göttingen verfolgt seit Jahren ein nachhaltiges Erhaltungskonzept zur Bewahrung der historischen Substanz. Moderne Methoden der Konservierung und Restaurierung stellen die Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen sicher. Damit diese Monumente auch der Nachwelt erhalten bleiben, fanden umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen an den Grabdenkmälern bereits in den Jahren 2005 bis heute statt. Jährlich werden je nach Sanierungsbedarf auf beiden Friedhöfen Sanierungen vorgenommen um kontinuierlich die Bestandssicherung zu gewährleisten.
Erhalten – Erinnern
Doch nicht nur die Zeit setzt den Monumenten der Vergangenheit zu, sondern auch Unachtsamkeit und auch mutwillige Beschädigungen bedrohen die kulturell wertvollen Grabdenkmale.
Eine Entfernung von beispielsweise Graffiti und anderen Verunstaltungen ist sehr aufwendig und ohne Verluste an der historischen Substanz kaum durchzuführen.
Helfen Sie mit!
Die historischen Grabsteine sind stumme Zeugen der wechselvollen Vergangenheit. Jegliche Form von Vandalismus richtet sich gegen diese Stätte der Erinnerung und der Kulturgeschichte dieser Stadt. Helfen Sie mit, dass ein Ort erhalten bleibt, in dem der Gegenwart und der Vergangenheit mit Respekt und Achtsamkeit begegnet wird.
Melden Sie Schmierereien und andere Zerstörungen beim Fachdienst Grünflächen der Stadt Göttingen unter Telefon 0551 400-3316 oder E-Mail an Gruenflaechen@goettingen.de.
