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Baumschutz
Bäume an Straßen und in Parkanlagen sind ein ganz wesentlicher Faktor für das „Wohlfühlklima“ in einer Stadt. Dies merkt man spätestens dann, wenn ein markanter alter und großer Baum entfernt werden muss. Es klafft förmlich eine Lücke im Stadtbild.
Im folgenden erfahren Interessierte weitergehende Informationen rund um den Baumbestand der Stadt Göttingen.
Baumschutz
Die Stadt Göttingen hat als Kommune die Aufgabe die Verkehrssicherheit von Bäumen in städtischen Grün- und Freianlagen zu gewährleisten.
Der Kontrollturnus richtet sich nach dem Alter und Zustand jedes Baumes, sowie der Sicherheitserwartung an dem jeweiligen Standort. So kann es erforderlich sein, Bäume mit entsprechenden Vorschäden halbjährlich zu kontrollieren, andere hingegen lediglich alle drei Jahre.
Die Kontrolle wird durch geschultes Fachpersonal, hauptsächlich im Zeitraum April bis Oktober, jedes Jahres durchgeführt. Sollten Gefährdungen durch Gestaltanomalien, Holzfäule, Pilzbefall, Vitalitätseinbußen o.ä. festgestellt werden, erfolgt eine zweite Überprüfung im Rahmen der jährlich im Oktober stattfindenden Baumschau. Sofern die eigenen Kenntnisse bzw. die verfügbaren Untersuchungsgeräte keine abschließende Diagnose erlauben, wird bei einer dritten Prüfstufe ein öffentlich bestellter Sachverständiger einbezogen.
Nach Abschluss dieses Verfahrens werden die beabsichtigten Fällungen dem Arbeitskreis Baumschutz der Naturschutzverbände vorgestellt und die Notwendigkeit einer Baumfällung im Einzelfall erläutert. Hier kann beispielsweise durch Belassen von Totholz auf die Belange des Naturschutzes besonders Rücksicht genommen werden.
Die wesentlichsten Gründe für die Fällung von Bäumen sind starke Vitalitätseinbußen, fortgeschrittene Holzfäule, sowie die Gefahr von Ast- oder Stammbrüchen.
Weitere Informationen zum Baumschutz, Baumfällungen und zur Baumschutzsatzung sind in der Dienstleistung Arten- und Baumschutz, Schutzgebiete zu finden.
Baumkrankheiten
Die Blattbräune oder Blattnervenkrankheit bei Platanen ist auf einen Pilz (Apiognomonia veneta) zurückzuführen, der braune Blattflecken entlang der Blattadern verursacht. Bei Befall kommt es bereits im Frühjahr zum Welken und Vertrocknen der jungen Austriebe; Starkäste werden
nicht befallen.
Die Kastanienminiermotte (Cameraria ohridella), ein Insekt, das erst 1985 in Mazedonien entdeckt wurde, ist 2004 erstmalig auch in Göttingen festgestellt worden. Vorwiegend weißblühende Rosskastanien fallen der Motte zum Opfer. Die Larven der Motte zerstören durch ihre Fraßtätigkeit das Innere der Blätter, was äußerlich an einer hellbraunen Fleckung erkennbar ist. Bei starkem Befall kommt es zum vorzeitigen Blattfall. Jahrelanger Befall führt zur Schwächung des Baumes.
Die Wollige Napfschildlaus (Pulvinaria regalis) gehört zu den saugenden Schadorganismen. Die Larven dieses Schädlings setzen sich auf Blättern und Zweigen fest und saugen hier den Pflanzensaft. Die Wollige Napfschildlaus bevorzugt insbesondere Linden und Rosskastanien und ist durch watteartige, weiße Gebilde am Stamm zu erkennen. Bei starkem Befall sind davon auch die Äste betroffen.
Massaria, ein zu den Schlauchpilzen zählender Schwächeparasit an Platanen (Splanchnonema platani), verursacht ein rasches Absterben von Ästen. Die Pilzerkrankung Massaria wurde in Deutschland erstmals 2003 nach einem heißen und besonders trockenen Sommer nachgewiesen. Auch größere Äste mit geringer Vitalität können befallen werden und rasch ganz oder teilweise abgetötet werden. Breite, leicht violett bis hellrötlich verfärbte Rindenbereiche der Astoberseite sind ein Zeichen des Befalls. Später färben dunkle Pilzsporen diese Partien fleckig-schwarz. Es folgt eine rasch voranschreitende Holzfäule im Gewebe der Astoberseite. Da die Astunterseite noch nicht befallen ist, bleibt der Ast weiterhin belaubt. Voll belaubte und bis dahin unauffällige, stärkere Äste können innerhalb einiger Wochen absterben und zu einer Gefahr werden.
Die Weiße Mistel (Weißbeerige Mistel, Viscum album) wächst als immergrüner Halbschmarotzer auf den Ästen bestimmter Wirtsbäume und kann im Laufe der Jahre Büsche von bis zu einem Meter Durchmesser bilden. Die Samen der Mistel werden durch Vögel verbreitet, für die sie einen wichtigen Teil der Winternahrung darstellen. Die vielfältigen Beeinträchtigungen am Straßenstandort schwächen die Bäume und machen sie anfällig für die Besiedlung mit Misteln. Auch wenn die Mistel in letzter Zeit als Baumschädiger in Verruf gekommen ist, konnte bislang nicht nachgewiesen werden, dass Bäume durch Misteln absterben.
Digitales Baumkataster
Die Stadt Göttingen führt seit 2005 ein digitales Baumkataster, in dem jeder einzelne städtische Baum registriert ist.
Im digitalen Baumkataster sind die jeweiligen Baumnummern einsehbar. Das vereinfacht bei Nachfragen oder Hinweisen zu einzelnen Bäumen, beispielsweise nach Sturmereignissen, die Kommunikation zwischen der Verwaltung und Bürger*innen.
Das öffentlich zugängliche Baumkataster soll das Umweltbewusstsein und die Beteiligung der Bürger*innen fördern, indem Informationen über Baumarten und deren Standorte zugänglich gemacht werden.
Das Baumkataster ist online unter goe.de/baumkataster abrufbar.
Kontakt
Baumarten- und Gehölzliste
Welche Baumarten eignen sich für das Göttinger Stadtgebiet am besten? In der Baumarten- und Gehölzliste gibt die Stadt Göttingen Empfehlungen für eine standortgerechte Begrünung.
Die Verwendung einer größeren Vielfalt geeigneter Baumgattungen und -arten ist aus verschiedenen Gründen sinnvoll: Die Klimabedingungen verändern sich und damit nehmen auch die klimabedingten Stressfaktoren für die Stadtbäume zu. Hinzu kommt die steigende Anzahl unterschiedlicher Baumkrankheiten, die in jüngster Vergangenheit vermehrt auftreten, sich ausbreiten und damit den vorhandenen Baumbestand schwächen. Das Ziel bei der Wahl geeigneter Baumarten liegt darin, standortgerechte Arten zu finden und gleichzeitig die Artenvielfalt zu erhöhen.
Mit der vorliegenden Auswahl steht in den nächsten Jahren eine Vielzahl von Baumarten für die Begrünung von Straßen und Parkanlagen, Siedlungsübergangsbereichen, für Gärten sowie für Extremstandorte in Göttingen zur Verfügung. Die empfohlenen Gehölze beruhen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aus dem Bereich der Gehölzverwendung sowie auf langjährigen Erfahrungen von Gärtnermeister*innen, die im Raum Göttingen gesammelt werden konnten.
Es wurden solche Bäume ausgewählt, die bereits seit vielen Jahrtausenden in Deutschland vorkommen und als lang etablierte und somit ökologisch wertvolle Gehölze gekennzeichnet sind. Sie werden umgangssprachlich als heimisch bezeichnet. Diese Bäume weisen als Lebensraum oder Nahrungsgrundlage in Form von Früchten und Blüten einen besonders hohen Mehrwert für die Göttinger Stadtfauna auf. Aufgrund des stetigen Klimawandels sind auch neu eingeführte Baumarten gelistet, von denen viele als Klimabaumart bezeichnet werden. Solche Arten können mit den zunehmenden klimawandelbedingten Wetterextremen wie Hitze oder langanhaltender Trockenheit besonders gut umgehen und oftmals auch dort gepflanzt werden, wo die heimischen Gehölze an ihre Grenze stoßen.
Die hier vorgestellte Liste ist nicht statisch, sie wird fortlaufend weiterentwickelt und durch aktuelle Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen fortgeschrieben. Da der Klimawandel voranschreitet, wird auch die Baumarten- und Gehölzliste für die Stadt Göttingen stetig überarbeitet und erweitert. Die jeweils aktuelle Version wird auf dieser Seite bereitgestellt.
Die Wahl der geeigneten Baumart
Die Baumartenwahl ist in erster Linie abhängig vom Standort des zukünftigen Baumes. Dabei sind Platzverhältnisse genauso entscheidend wie die Bodenbeschaffenheit, die mikroklimatischen Verhältnisse oder die Überbauungssituation. An stark frequentierten und versiegelten Straßen und Plätzen herrschen andere Wachstumsbedingungen als in einer Grünanlage. Je nach Ausgangssituation sollte eine entsprechende Baumart ausgewählt werden. Die Liste mitsamt ihren Hinweisen soll Bürger*innen bei dieser Auswahl unterstützen.
Im besten Fall bietet es sich an, die fachliche Beratung einer Baumschule in Anspruch zu nehmen. Bei einer Beratung besonders hilfreich sind aussagekräftige Bilder von der Standortsituation. Viele Baumschulen bieten einen Liefer- und Pflanzservice an.
Habitatbaum
© pixabay.comAls Habitatbaum (lat. habitare = wohnen) werden lebende, aber auch absterbende und tote Bäume bezeichnet, die mindestens einem spezialisierten Lebewesen Strukturen bieten, die als Lebensraum genutzt werden können.
Strukturen wie beispielsweise Spechthöhlen, weitere ausgedehnte Höhlungen, Pilzfruchtkörper, freiliegendes Splint- und Kernholz, dichter Efeubewuchs, Risse im Stamm oder abblätternde Borkenstücke sind dabei genauso wichtig wie die Lebewesen selbst, die auf diese sogenannten Mikrohabitate angewiesen sind.
Vögel, Säugetiere, Insekten, Pilzen, Flechten und Moose haben sich im Laufe der Evolution speziell an diese Lebensräume angepasst.
© Stadt GöttingenWährend absterbende Äste bereits in verhältnismäßig kurzer Zeit als Lebensraum dienen können, bedarf es für die Entwicklung einiger Mikrohabitate wie ausgedehnte Höhlungen oft viele Jahre bis Jahrzehnte. Besonders wertvoll sind Baumhöhlen, die mit sogenannten Mulm gefüllt sind. Sie stellen im menschengeprägtem Umfeld einen besonders seltenen Lebensraum für hoch spezialisierte holzbewohnende Insekten (Xylobionten) zur Verfügung. Einige von ihnen, wie der in Göttingen vorkommende Eremit (Osmoderma eremita), sind samt der Höhle, in der sie leben, streng geschützt.
Besonders in den stark verdichteten innerstädtischen Räumen, aber auch in strukturarmen Agrarlandschaften sind Habitatbäume ein wichtiger Baustein zum Erhalt der Artenvielfalt. Da es nahezu unmöglich ist, die besonderen Strukturen solcher Bäume künstlich nachzuahmen, macht es sie zu einem äußerst schützenswerten Lebensraum, der so lange wie möglich erhalten werden muss.
© Stadt GöttingenHabitatbäume bergen allerdings auch ein erhöhtes Risiko für Unfälle, etwa durch abgestorbene Kronenteile, die herabstürzen könnten. Um Unfälle zu vermeiden und der Verkehrssicherungspflicht gerecht zu werden, müssen einige Habitatbäume durch baumpflegerische Maßnahmen gesichert werden. In vielen Fällen ist es möglich, die vom Baum ausgehenden Gefahren zum Beispiel durch Kronensicherungen zu minimieren oder zumindest einen Reststamm stehen zu lassen. Die komplette Fällung des Baumes stellt immer das letzte Mittel dar und erfolgt stets in Absprache mit Expert*innen.
Weiterführende Literatur
- Binner, V. (2019). Lebensraum Baum. BLV.
- Gloor, S., & Göldi, H. (2018). Der ökologische Wert von Stadtbäumen bezüglich der Biodiversität. In Jahrbuch der Baumpflege 2018 (S. 33-47). Braunschweig: Haymarket Media.
- Lachat, T., Brang, P., Bolliger, M., Bollmann, K., Brändl, U.-B., Bütler, R., . . . Wermelinger, B. (2019). Totholz im Wald - Entstehung, Bedeutung und Förderung. Birmensdorf: Eidg. Forschungsanstalt WSL.
- Müller, G. (2012). Habitatbäume und Baumpflege - Erkennung, Erhalt und Entwicklung der Lebensräume rechtlich geschützter Käferarten. In Jahrbuch der Baumpflege 2012 (S. 68-80). Braunschweig: Haymarket Media.
- Schiegg Pasinelli, K., & Suter, W. (2022). Lebensraum Totholz. Birmensdorf: Eidg. Forschungsanstalt WSL.
- Zahner, V., & Wimmer, N. (2019). Spechte & Co.: Sympathische Hüter heimischer Wälder. Aula-Verlag.
Fragen rund um das Thema Baumschutz können gern per E-Mail direkt an baumschutz@goettingen.de gesendet werden.
