Bei der Wahl des Verkehrsmittels für eine Strecke entscheiden sich inzwischen rund 36 Prozent der Göttinger Bevölkerung für das Fahrrad (Befragung 2015/16: 28 Prozent). Der Anteil des Kraftfahrzeugverkehrs ist auf 30 Prozent (2015/16: 37 Prozent) gesunken. Damit ist der Radverkehr erstmalig seit Beginn der Erhebungen in der Stadt im Jahr 1999 das dominierende Verkehrsmittel der Göttinger*innen. 25 Prozent (2015/16: 22 Prozent) der Göttinger*innen legen ihre Wege zu Fuß zurück, neun Prozent (2015/16: 13 Prozent) nutzen das Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs. Der Anteil des Umweltverbundes, dazu gehören der Fuß- und Radverkehr sowie der ÖPNV, ist somit auf 70 Prozent (2015/16: 63 Prozent) gestiegen.
Ansporn für weitere Anstrengungen
Oberbürgermeisterin Petra Broistedt zu den Ergebnissen: „Die Entwicklung des Radverkehrs zeigt, dass der Einstieg in die Verkehrswende bereits begonnen hat. Allerdings sind weitere Anstrengungen im Verkehrsbereich notwendig, um die Klimaschutzziele der Stadt zu erreichen. Dem Thema Mobilität wird sich die Verwaltung daher auch künftig mit Nachdruck widmen.“
Im Mai 2022 wurde über einen Zeitraum von 14 Tagen eine Haushaltsbefragung in der Stadt Göttingen, der Gemeinde Rosdorf und dem Flecken Bovenden durchgeführt. Insgesamt wurden 17.500 Haushalte in 49 Erhebungsbezirken angeschrieben. Mit der erreichten Stichprobe von 5 Prozent der Gesamtbevölkerung ab sechs Jahren in Göttingen sowie jeweils 7 Prozent in Rosdorf und Bovenden gilt die Befragung als repräsentativ. Somit sind repräsentative Aussagen zum Mobilitätsverhalten in Göttingen auf Stadtbezirksebene sowie für Rosdorf und Bovenden auf Wahlbezirksebene möglich.
Wahl des Verkehrsmittels und Einflüsse der Pandemie
Die Verkehrsmittelwahl in den Göttinger Stadtbezirken ist abhängig von der Topographie und der Entfernung zur Innenstadt, jedoch ist auch in weiter entfernten Lagen der Radverkehrsanteil gestiegen. Die durchschnittliche Wegelänge im Binnenverkehr in Göttingen beträgt 3,2 km, die durchschnittliche Wegelänge aller Wege liegt bei 6,9 km. Binnenwege machen mit 87 Prozent der Wege den Großteil in Göttingen aus.
Im Vergleich zu vorherigen Erhebungen wurden auch die Auswirkungen durch die Corona-Pandemie auf das Mobilitätsverhalten abgefragt. Die Anzahl der Freizeitwege (z.B. Spaziergänge) ist gestiegen. Insgesamt jedoch hat die Anzahl zurückgelegter Wege im Vergleich zur Erhebung 2015/2016 abgenommen. Das zeigt sich vor allem bei der gesunkenen Nutzung des ÖPNV.
Stadtbaurat Frithjof Look, Dezernent für Planen, Bauen und Umwelt, erläutert: „Die Ergebnisse der Haushaltsbefragung sind positiv zu bewerten. Hierfür spricht auch, dass 70 Prozent der Verkehre und Wege im Umweltverbund geleistet werden. Deutlich wird aber auch der große Handlungsbedarf, der sich daraus ergibt. Insbesondere die pandemiebedingte rückläufige Entwicklung des ÖPNV gilt es vertiefender zu analysieren und gegenzusteuern. Erste Ansätze soll bereits die derzeitige Erarbeitung eines ÖPNV-Handlungskonzeptes liefern, das sich unter anderem mit einer möglichen Taktverdichtung im Stadtbusnetz befasst.“
Die Stadtverwaltung führt Maßnahmen zur weiteren Förderung der Verkehrsmittel des Umweltverbundes fort. Dazu gehören die Umsetzung des städtischen Radverkehrsentwicklungsplans und Maßnahmen zur Förderung der Nahmobilität in städtischen Quartieren. In der weiteren Perspektive ist die Haushaltsbefragung mit allen ihren Detailergebnissen der erste Baustein im Fortschreibungsprozess des Klimaplans Verkehrsentwicklung der Stadt Göttingen.
Weitere Informationen zur Beratung im Ausschuss
Die Beratungsvorlage zur Haushaltsbefragung für die Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz und Mobilität am Dienstag, 24. Januar 2023, 16.00 Uhr, im Ratssaal des Neuen Rathauses ist einzusehen im Bürgerinformationsportal der Stadt Göttingen.
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