Bauliche und technische Mängel im DT machen eine Sanierung unabwendbar. Vor dem Hintergrund der finanziellen Lage der Stadt Göttingen soll eine möglichst kostensparende und dennoch funktionsfähige Sanierungsvariante gefunden werden. Die Erstellung einer baulichen Gesamtkonzeption ist außerdem Voraussetzung für den Abruf der im Rahmen des Förderprogrammes Kulturinvest eingeworbenen Fördermittel in Höhe von 4,5 Millionen Euro für Teilsanierungen, etwa der Tragkonstruktion, im Fassadenbau sowie von Fenstern oder der Werkstatthalle. Die Gesamtkosten der Maßnahmen belaufen sich auf 9 Millionen Euro und werden hälftig aus Bundes- und aus städtischen Mitteln finanziert.
In 2024 wurde ein Sanierungsfahrplan vorgelegt, nach dem der sogenannte Brandi-Bau abgerissen, das gesamte Haus saniert und aufgrund von Arbeits- und Brandschutz erweitert werden sollte. Die Gesamtkosten für diese integrierte Standort-Lösung sollte inklusive Sicherheitspuffer und Risikoaufschlag 178 Millionen Euro kosten – ein Betrag, der angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage der Stadt Göttingen nicht finanzierbar erschien, weshalb jetzt Alternativen geprüft werden sollen.
Untersucht werden neben der bereits vorliegenden Variante der Vollsanierung drei weitere Optionen zur Zukunft des Brandi-Anbaus, zur Werkstattfrage und zur Verlagerung der Raumbühne. Der Fokus liegt auf einer möglichst kostenbewussten und zugleich funktionsfähigen Lösung unter Einhaltung der geltenden Anforderungen an den Arbeits- und Brandschutz. Die Stadt stellt für die Erarbeitung dieser Varianten Haushaltsmittel in Höhe von 250.000 Euro für die Jahre 2025 und 2026 bereit.
Diese drei weiteren Ansätze sollen geprüft werden:
- Sanierung des Brandi-Anbaus: Dieser stellt durch enge Verkehrsflächen und Niveauunterschiede zum Altbau erhebliche funktionale Einschränkungen dar. Es soll geprüft werden, ob eine wirtschaftlich tragfähige und funktionale Sanierung unter Optimierung von Raum- und Verkehrsflächen möglich ist.
- Werkstattfrage: Es wird abgewogen, ob das Werkstattgebäude am Standort verbleibt oder ausgelagert wird. Eine Auslagerung könnte zwar spätere Betriebskosten erhöhen, aber neue Nutzungsmöglichkeiten vor Ort schaffen – etwa für die Raumbühne.
- Zukunft der Raumbühne: Da die bisherige Spielstätte DT2 brandschutztechnisch nicht zukunftsfähig ist, wird eine Verlagerung der Raumbühne in das Güterverkehrszentrum (GVZ) geprüft – inklusive Gegenüberstellung der Investitionskosten und künftiger Betriebsausgaben.
Das Deutsche Theater Göttingen erfüllt neben seinen künstlerischen Aufgaben auch zentrale gesellschaftliche Funktionen – von Bildung über Repräsentation bis zur Förderung der lokalen Identität. „Das Theater ist kein Luxus“, betont Göttingens Oberbürgermeisterin Petra Broistedt. Es sei ein Kern der Stadtidentität und kulturelles Gedächtnis der Göttinger*innen. Jede Gelegenheit, jede Förderlinie, jede Idee würde genutzt, um das Deutsche Theater Stück für Stück zukunftsfest zu machen. „Das wird eher ein Marathonlauf als ein Sprint“, so Broistedt, „aber wir sind unterwegs.“
Folgerichtig bleibt das Deutsche Theater in allen Varianten ein zentraler Ort für Kunst, Kultur und gesellschaftlichen Dialog. Der Betrieb als Repertoiretheater wird ausdrücklich festgeschrieben.
Stadtbaurat Frithjof Look ergänzt: „Bis zum Beginn einer umfassenden Sanierung investiert die Stadt weiter in das Deutsche Theater Göttingen und dessen Technik. Dafür stehen 2,04 Millionen Euro im Doppelhaushalt 2025/26 bereit, damit das Deutsche Theater weiterhin spielbereit ist.“
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