Beim Buchsbaumzünsler handelt es sich um einen Falter, der seine Eier an den Buchsbaumblättern ablegt. Aus diesen Eiern schlüpfen schließlich Raupen, die zuerst die Blätter des Buchsbaumes fressen. Bei starkem Befall wird auch die Rinde abgefressen, was zur Folge hat, dass Zweige absterben. Befallene Pflanzen haben kaum noch Blätter und es sind Gespinste mit etwa fünf Zentimeter langen, grünen, schwarzgepunkteten Raupen zu sehen.
Schäden in Göttinger Gärten
„Dieser kleine Schmetterling hat mittlerweile auch den forstbotanischen Garten erreicht. Der Befall hält sich bis jetzt aber noch in Grenzen“, berichtet Volker Meng, technischer Leiter des forstbotanischen Gartens. „In den Gärten sieht man mitunter aber schon seit gut 14 Tagen die ersten völlig kahlgefressenen Buchsbäume. Das heißt, der Zünsler ist gut vier Wochen zu früh dran.“ Normalerweise gebe es zwei Generationen im Jahr. Er erwarte jedoch drei Generationen – zum einen wegen des frühen Befalls und zum anderen wegen des aufgrund des Klimawandels zu erwartenden warmen Sommers.
„Nachdem wir im Alten Botanischen Garten jahrelang Glück gehabt haben, hat der allgegenwärtige Zünsler nun auch uns gefunden, und wir müssen machtlos zusehen, wie er die schöne Buchseinfassung um den Historischen Garten auffrisst – der Bereich mit den Nutz- und Gartenpflanzen der vergangenen Epochen“, erklärt Dr. Michael Schwerdtfeger, Gartenkustos Alter Botanischer Garten. „Sollte sich herausstellen, dass die Hecke nur durch dauerndes Spritzen – auch mit biologischen Mitteln – zu erhalten ist, so passt dies nicht in das Ökologische Konzept des Gartens und sie könnte dann etwa durch eine kleinwüchsige Liguster-Form ersetzt werden.“
Auf dem Wilhelmsplatz ist in diesem Jahr der Befall der Beetumrandung mit Buchsbaum so stark, dass dieser gerodet werden und im Herbst außerhalb des Schnittverbotes gegen die japanische Stechpalme (Ilex crenata) ausgetaucht wird. Japanische Stechpalmen sehen einem Buchsbaum besonders ähnlich. Sie sind jedoch resistent, wenn es um Buchsbaumkrankheiten geht. Deshalb sind japanische Stechpalmen als Buchsbaumersatz beliebt.
„Auf den Friedhöfen ist der Befall ebenfalls stark, auf dem Junkerberg eigentlich flächig. Da die Buchsbäume in der Regel Bestandteil der Grabbeetbepflanzung sind, sind die Nutzungsberechtigten und die beauftragten Gärtnereien hier gefordert, die Pflanzen gegen eine Alternative auszutauschen“, erläutert Wolfgang Gieße, Leiter des Fachdienstes Friedhöfe der Stadt Göttingen. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist auf Friedhöfen gesetzlich untersagt.
Das können Gartenbesitzer*innen tun
Auf dem Markt werden sowohl klassische Insektizide, als auch biologische Spritzmittel und ein Bazillus angeboten. Von den klassischen Insektiziden raten Expert*innen jedoch ab, da sie nicht nur für die Zünslerraupen, sondern auch und vor allem für die Anwender*innen sowie für viele andere nützliche Insekten gefährlich sind. Geeignet sind Spritzmittel, die auch im biologischen Anbau Verwendung finden und auf der Neembaum-Basis beruhen. „Am vielversprechendsten ist aus meiner Sicht aber ein natürlicher Parasit der Raupen, das Bazillus thuringiensis“, erklärt Volker Meng. Bacillus thuringiensis ist relativ leicht auszubringen und – wenn richtig angewendet – erfolgreich.
Natürlich Feinde durch naturnahe Gestaltung
Volker Meng rät allen betroffenen Gartenbesitzer*innen, aber auch den Kommunen oder öffentlichen Einrichtungen ihre Gärten, Park- und Grünanlagen möglichst naturnah zu gestalten. Ähnlich wie bei der Kastanienminiermotte ist der Buchsbaumzünsler für die heimische Tierwelt zunächst ein Fremdling, der, weil sie ihn nicht kennen, auch erst einmal nicht auf ihrer Speisekarte steht. Mittlerweile gibt es aber Beobachtungen, dass die kleinen nachtaktiven Schmetterlinge von Fledermäusen gefressen werden.
Bei den Vögeln zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung wie bei der Kastanienminiermotte ab: Nachdem sie die Raupen zunächst verschmähten, gibt es nun immer öfters Beobachtungen, dass der Spatz, die Kohlmeise, das Rotkehlchen, aber auch der Buchfink oder Haussperling die Raupen fressen. Auch im Alten Botanischen Garten sind erfreulicherweise zunehmend Meisen zu beobachten, die in der Hecke Raupen suchen, was Dr. Michael Schwertfeger als Grund zur Hoffnung sieht.
Volker Meng empfiehlt, „dass wir alles dafür tun, dass unsere Vögel in unseren oftmals sterilen und völlig sauberen Gärten wieder heimisch werden: Also Nisthilfen anbringen und zumindest einen Teil des Gartens nicht klinisch sauber pflegen. Vögel benötigen für ihre Brut Eiweiß in Form von Läusen, kleinen Raupen oder sonstigen Insekten. Zu den natürlichen Feinden der Raupen gehören aber auch Wespen oder Hornissen sowie einige Raubspinnenarten.“
Private Gartenbesitzer*innen mit nur wenigen Buchsbaumpflanzen können die Raupen aber auch von Hand ablesen und vernichten. Möglich ist auch, mit im Handel erhältlichen Pheromonfallen Schutznetzen zu arbeiten, wenn sich der Flughöhepunkt der Falter einigermaßen berechnen lässt. Bei vollsonnig stehenden Einzelpflanzen kann auch ein Folienbeutel übergestülpt werden, damit die Hitze soweit ansteigen kann, dass die Raupen quasi verkochen. Die Anwendung von Algenkalk dagegen hat in gärtnerischer Versuchsanlagen nichts bewirkt.
„Im forstbotanischen Garten werden wir auf unsere biologische Vielfalt setzen und zum anderen werden wir auch mit Bazillus thuringensis arbeiten“, erklärt Volker Meng.
Fachgerechte Entsorgung befallener Pflanzen
Die Stadtverwaltung rät Bürger*innen, die zurückgeschnittenen Pflanzenteile oder stark befallene Sträucher über den Bioabfallbehälter zu entsorgen, zusätzlich können kostenpflichtige Laubsäcke verwendet werden. Man kann aber auch das befallene Material direkt am Bioenergiezentrum Göttingen (BEZ) oder auf dem Recyclinghof abliefern. Damit mehr Material in die Säcke passt, ist das Häckseln zu empfehlen.
„Ich befürchte, dass die meisten Buchsbaumbesitzer*innen aller Wahrscheinlichkeit nach zu den klassischen Spritzmitteln greifen werden, deshalb finde ich besonders wichtig, dass darüber informiert wird, was man alternativ zum Spritzen machen kann“, erklärt Umweltdezernent Frithjof Look.
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